Aargauer Zeitung, 3 mars 2014

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Die zeitgenössische Oper «Figaro» des Berner Komponisten Christian Henking und des Bieler Librettisten Raphael Urweider wurde bei ihrer Aufführung in Biel vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen. Basierend auf Beaumarchais’ klassischem Stoff, wagt die Partitur aus dem Jahr 2014 die Verschmelzung scheinbarer Gegensätze. Sie sprengt traditionelle Genregrenzen, betritt musikalisches Neuland und integriert gleichzeitig geschickt Fragmente aus den bekannten Werken von Mozart und Rossini als musikalische Hommage.

Der große Erfolg der Aufführung ist nicht zuletzt der rasanten und temporeichen Inszenierung von Regisseur Andreas Zimmermann zu verdanken. In einer fast an Fellini erinnernden Bilderwelt werden die Akteure ständig an- und entkleidet, sie tanzen und flirten. Das Stück provoziert bewusst mit anzüglichen Texten, Vulgärsprache, Boxring-Szenen und modernem Rap, der den verstaubten Opernalltag gekonnt aufmischt.

Das Sinfonie Orchester Biel unter der straffen Leitung von Jürg Henneberger meistert die komplexe, kontrastreiche Partitur mit Bravour. Die Gesangssolisten, darunter die brillante Sopranistin Céline Steudler und das Alt-Phänomen Judith Lüpold, überzeugen mit stimmlicher Akrobatik und beweisen, dass moderne Oper heute vor allem überraschen muss.

Aargauer Zeitung, Silvia Rietz, 03.03.2014